Heilig Geist Stiftschenke

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gt_hg_04Es gibt wohl kaum einen gastronomischen Betrieb in Passau, der so viel Historie aufzuweisen hat wie das "Geist" – so wird die Heilig Geist Stiftschenke von den Einheimischen genannt. Das Objekt in der Heiliggeistgasse, mitten im Zentrum der Stadt, blickt auf eine über 600-jährige Geschichte zurück. Im Mittelalter ursprünglich als Spital für mittellose Männer gegründet, gehörten der Stiftung damals wie heute eigene Weinberge in der Wachau, die zunächst in der stiftseigenen Weinstube verkauft wurden. Im Grunde ist das heute noch so, allerdings ist aus der kleinen Weinstube über die Jahrhunderte hinweg ein wunderschönes Restaurant mit vielfältigen Räumlichkeiten geworden. Seit 1961 lenkt Familie Mayer die Geschicke des Hauses: Generationen von Köchen haben hier gelernt und führen inzwischen eigene Restaurants – man hört in der hiesigen Gastro-Szene häufiger den Satz: "Ist es ein guter Koch, hat er wahrscheinlich beim Mayer im ‚Geist’ gelernt". Küchenchef Andreas Brandenburg steht hier seit knapp 20 Jahren am Herd und gebietet gemeinsam mit Patron Fritz Mayer über eine Küchenbrigade von fast einem Dutzend Köchen und Küchenhilfen, die von 16 Kellnerinnen und Kellnern in Schank und Service komplettiert wird.

gt_hg_03Dass hier nicht mit Aushilfen, sondern ausschließlich mit Festangestellten und Auszubildenden gearbeitet wird, merkt der Gast sofort. Wer hier seit Jahren regelmäßig aus und ein geht, wird immer wieder vom gleichen Personal bedient – freundlich, schnell, kompetent. So auch bei unserem Testessen, für das wir die letzten Sommersonnenstrahlen des Jahres nutzen und uns ein Platzerl im Wachauer Garterl reservieren. „Bei uns beginnt die Wachau“, kündet die Speise- und Getränkekarte an. Und wahrlich, nicht nur der Wachauer Stiftswein, der hier kredenzt wird, auch die Speisekarte hat neben Bayerisch-Bodenständigem vor allem auch österreichische Spezialitäten zu bieten. Genießt man diese dann auch noch in einer der Lauben, umrankt von wildem Wein, wähnt man sich bereits Donauabwärts in Krems oder Spitz in einem Buschenschank. Glücklicherweise sind die Weine hier auch ähnlich fair kalkuliert – ein Achterl Heiliggeist Stiftswein vom Grünen Veltliner ist bereits für 1,60 Euro zu haben (im Übrigen können die Weine auch für daheim zu noch günstigeren Konditionen erworben werden).

gt_hg_02Aber auch zahlreiche andere Reben finden in der gutbestückten, ausgewogenen Weinkarte Platz – neben Österreich ist auch Deutschland, Frankreich, Spanien und Italien präsent. Wir starten kulinarisch mit einem österreichisch-spanischen Crossover: Die Waidlerische Schwammerlsuppe mit Serviettenknödeleinlage von der Wochenkarte weiß ebenso zu überzeugen wie die spanische Gazpacho mit Sauerrahm und Gurkenstreifen, die einfach optimal zum Sommer passt: Das Gemüse ist sehr fein gewürfelt, hat noch Biss, die leichte Schärfe des Chili ist perfekt in die Suppe eingebunden. Wir setzen unseren kulinarischen Streifzug fort und ordern einen wunderbar mürben Wachauer Tafelspitz mit separat gereichter Meerrettichrahmsauce, ein knuspriges Spanferkel in Bierbratlsauce und natürlich, das muss sein, ein Wiener Schnitzel (vom Kalb, versteht sich). Neben diesen Klassikern, unter denen auch die frischen Flussfische  wie z.B. Waller, Forelle oder Saibling aus dem eigenen Bassin (die Fische schwimmen also quasi in Stiftswasser) hervorzuheben sind, bietet die Wochenkarte immer wieder kreative Abwechslung.

gt_hg_01Aktuell sind dies vor allem Schwammerl in allen erdenklichen Varianten und Wachauer Marillen, die gerade jetzt Saison haben. So läuft einem beim Studieren der Dessertkarte wahrlich das Wasser im Mund zusammen: Marillenknödel mit Zimtnussbrösel, Wachauer Marillenpalatschinken, Marillenparfait ... Eigentlich sind wir schon satt, die Portionen sind nämlich sehr ordentlich. Nach einem Stiftsweinbrand vom Grünen Veltliner aus den eigenen Weinbergen ist aber glücklicherweise wieder Platz für Nachtisch: Wir entscheiden uns für die Wiener Waschermadln – gebackene Marillen auf Himbeersauce, serviert mit Pistazieneis – und sind restlos begeistert. Fazit: Hier beginnt sie wirklich, die Wachau!

 

Text: Cornelius Martens | Fotos: Till Gabriel

Heilig Geist Stiftschenke
Heiliggeistgasse 4 | 94032 Passau (Zentrum)
Tel. (0851) 26 07
| geöffnet: Do-Di 10.00-1.00 Uhr | Ruhetag: Mi
www.stiftskeller-passau.de

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