Stadtfuchs Touren
Passaus älteste Marienwallfahrt
Bei allem, was Passau sonst noch ist – es ist auch eine Wallfahrtsstadt. Hoch über der Stadt thront die einst weit berühmte Wallfahrtskirche Maria-Hilf mit ihrem gleichnamigen Gnadenbild. Immer noch mühen sich Pilger über die 321 Stufen der Wallfahrtsstiege, immer noch präsentiert man in der Kirche die kostbare Kaiserampel, ein 1676 verehrtes Geschenk Kaiser Leopolds I. aus Anlass seines dritten Ehebunds. Und in den letzten Jahren scheint die kleine Wallfahrtsstätte dank des emsigen Pauliner-Ordens langsam, aber stetig wieder aufzublühen. Keine Frage - in Sachen Passau-Wallfahrt denkt ein jeder an Maria-Hilf! Dabei war die 1622 begründete Wallfahrtsstätte keineswegs die einzige der Stadt, ja nicht einmal die älteste. Die fand sich im Kloster Niedernburg und galt der überlebensgroßen Holzskulptur einer Schutzmantelmadonna. Die Erinnerung an sie ist längst verblasst, obwohl sich ihr gemaltes Abbild an der Klostermauer in der Bräugasse bis heute noch bewundern lässt. Was hatte es mit der Wallfahrt nach Maria-Schutz in Niedernburg für eine besondere Bewandtnis?
Von Asketen, Dichtern & Verschwendern
Bei seiner Gründung um 1120 zunächst mit Augustinerchorherren besetzt, hielten 26 Jahre später 12 aus Ebrach im Steigerwald kommende Zisterziensermönche ihren Einzug in das Kloster Aldersbach. In strenger Auslegung der Benediktusregel zu Askese und Demut verpflichtet, strebte der Zisterzienserorden auch in seinen Klosterbauten zunächst größtmögliche Schlichtheit an. Hierzu gehörte der Verzicht auf Kirchtürme, die man als Sinnbilder für Stolz und Macht ansah. Heute ist die Klosterkirche St.-Maria-Himmelfahrt zu Aldersbach freilich durch einen Turm weit sichtbar.
Mönche, Gäste & Gemetzel
Sie ist ein kaum beachtetes Juwel im Schatten der Altstadt - Passaus Innstadt. Tatsächlich hat sie einiges zu bieten: die Reste des römischen Kastells Boiotro mit dem zugehörigen Museum, eine der ältesten Kirchen Bayerns, imposante Stadtmauerpartien, Passaus älteste Haustür und das schönste Bürgerhaus. Die Geschichte der Innstadt als Passauer Vorstadtsiedlung beginnt 1143. Angesichts der durch die Kreuzzüge anschwellenden Pilgerströme längs der Donau verfügte Bischof Reginbert den Bau der ersten Innbrücke.
Ein Wunder?
In den Napoleonischen Kriegen kam Passau durch seine Lage am Zusammenfluss von Inn und Donau und an der Grenze zu Österreich erhebliche strategische Bedeutung zu. Seit 1803 war die Stadt bayerisch und Bayern zählte zu Napoleons wichtigsten Verbündeten, die Habsburger dagegen zu den schärfsten Widersachern. Napoleon gedachte daher, Passau zur bayerisch-französischen Bundesfestung gegen Österreich auszubauen. Bei einem Angriff auf Österreich sollte die Stadt als Nachschubbasis und bei ungünstigem Kriegsverlauf als Rückzugsort fungieren.
Bescheidener Lohn ...
Vom 20. bis 26. September 1762 logierte der sechsjährige Wolfgang Amadeus Mozart samt Familie in Passau. Doch in welchem Quartier? Über diese Frage wusste man in Passau im vergangenen Mozartjahr trefflich zu streiten. Das Problem: In der einzigen Quelle dieses Aufenthalts, einem Brief des Vaters Leopold an seinen Vermieter Johann Lorenz Hagenauer zu Salzburg, wird die Unterkunft mit keinem Wort erwähnt. Aber Moment mal? Übernachteten die Mozart nicht im heutigen „Cafe Kowalski“? Ist es nicht dort sogar auf einer Steintafel zu lesen? Richtig - aber falsch. Hintergrund der Tafel-Anbringung war nicht etwa eine seriöse historische Quelle, sondern eine 1951 veröffentlichte, weitgehend frei erfundene Mozart-Erzählung im Kasseler Sonntagsblatt.
Prälaten, Dulten & Soldaten
Zum Augustinerchorherrenstift St. Nikola gehörte, westlich anschließend, schon seit dem 16. Jahrhundert ein großer zweigeteilter Klostergarten. Sein größerer Teil stand als Baumgarten allen Konventsmitgliedern zur Verfügung. Der kleinere, mit geometrischen Blumenbeeten gestaltete „Prälatengarten“ war dagegen allein dem Probst des Stifts und seinen Gästen vorbehalten. Zu seiner Ausstattung gehörte in der Renaissance ein turmartiger Pavillon. 1593 klagen aufgebrachte Chorherren über ihren Probst Abraham Anzengruber, er habe in diesem Turm „mit Weibs- und Hauspersonen ausschweifende Feste gefeiert“. Anzengruber wurde schließlich abgesetzt. Sozusagen der erste Würdenträger, dem ein Turm in Passaus Neuer Mitte zum Verhängnis wurde.
Passaus starke Frauen
In einer altehrwürdigen Bischofsstadt ist es kein Wunder, wenn es vor allem Männer waren, die die Geschichte über die Jahrhunderte geprägt haben. Man denkt an den heiligen Severin und das Kastell Boiotro, an die „Lorcher Fälschungen“ des ehrgeizigen Bischof Pilgrim, an Andreas Haller, Bürgermeister und Rebell, der sich mit durchschnittener Kehle in der Donau wiederfand, an Fürstbischof Wolfgang von Salm und den berühmten Passauer Religionsvertrag, an Carlo Lurago, Giovanni Battista Carlone und Carpoforo Tencalla, die italienischen Meister des barocken Doms. Steinerne Tafeln erinnern an Prinz Eugen von Savoyen, den edlen Ritter, an Mozart und Napoleon, ein Denkmal auf dem Domplatz an den ersten Bayernkönig Maximilian Joseph.
Schulden, Alchemie & zweifelhafte Ehren
Nein, um seine finanzielle Lage muss man Passau nicht beneiden - 155 Millionen Euro Schulden bei rund 50.000 Seelen. Kein gutes Verhältnis. Immerhin, neben dem größten barocken Bischofsdom nördlich der Alpen und der größten Domorgel der Welt ein weiterer Superlativ: eine der Gemeinden mit der höchsten Pro-Kopf-Verschuldung in Bayern. Ein zweifelhaftes Prädikat. Aber war es einmal besser? Die barocke Prachtfülle des Doms gibt scheinbar eine klare Antwort. Doch weit gefehlt. Ausgerechnet die Epoche des Barock war für Passau eine Zeit wirtschaftlicher Krisen. Der katastrophale Wegfall des Salzhandels, verheerende Stadtbrände und Kriegswirren blieben nicht ohne Auswirkung. Bei rund 9000 Einwohnern waren im 18. Jahrhundert schließlich nur noch 15 bis 20 Familien in Passau wohlhabend.
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