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Glosse: Bildungswahn

(10 Bewertungen, Durchschnitt 4.80 von 5)

glosse_bildungswahn-1Zwischen Plansoll und geraubter Jugend

Neulich vertrat ich einen erkrankten Freund bei der Latein-Nachhilfe. Das Mädl, dem ich hier am Freitagnachmittag die grammatikalischen Finessen der alten Römer näher bringen sollte, besitzt seit ihrer mittels Nachprüfung gerade so durchgeboxten Einschulung am Gymnasium zusätzlich zum Stundenplan einen Terminkalender. Dieser beginnt am Montag um 14 Uhr: 14-15.30 Uhr Intensivierung Englisch. 16-17 Uhr Klavierunterricht. 18 Uhr Abendessen, anschließend Hausaufgabe und Lernen auf Dienstag. Dienstag (Schule bis 16 Uhr) 16.30 Uhr bis 17.30 Uhr Nachhilfe Mathematik.

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Glosse: LmAA+

(12 Bewertungen, Durchschnitt 4.58 von 5)

glosse-9Sind Sie auch nervös? Hat Sie auch diese mulmige Stimmung erfasst, wie sie derzeit von den Börsen dieser Welt ausgeht? Ganz verschwitzt sitzen sie vor ihren (immer kleiner werdenden) Zahlen und stützen die Köpfe mit den Händen; oh nein, nicht wie der gute Walther von der Vogelweide – nix Kinn und Wange in die hant gesmogen; scheußlich sehen sie aus, zerfressen von Gier, ohnmächtig ob der Kräfte, die sie selbst in Bewegung gesetzt haben und nun nicht mehr zu kontrollieren vermögen.

Und kaum ist’s geschehen, stehen sie wieder auf der medialen Showbühne: die Experten – allen voran unser apokalyptischer Obergartenzwerg Hans Werner Sinn vom Ufo-Institut für frei schwebende Wirtschaftsforschung. Er mahnt mal wieder zum Gürtel-Zurren (und meint damit stets diejenigen, welche sich dafür erst zusätzliche Löcher stanzen müssten), um sich darauf wieder in sein Schrebergärtchen zurückzuziehen, wo ihn seine lustigen dicken Gartenzwergfreunde aus Wirtschaft und Politik mit ihren selbst gebrauten Wirtschaftswachstums- und Billiglohnkräutermischungen schon sehnsüchtig erwarten.

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Glosse: Ein Tag am See

(24 Bewertungen, Durchschnitt 4.63 von 5)

badeseeIch soll etwas zu Badeseen schreiben – na fein – genau mein Thema, sind mir doch sämtliche Gewässer, deren Inhalt ich nicht kenne, in höchstem Maße suspekt. Dennoch begebe ich mich getreu meiner redaktionellen Anweisung zum nächstgelegenen Badesee. Unterwegs geht ein gewaltiger Gewitterschauer über mir, respektive meinem Auto nieder. Unbeirrt setze ich meinen Weg fort und bestaune den prachtvollen Regenbogen, dessen Farben sich gleißend über die dampfende Landschaft ergießen. Je mehr ich mich dem Ziel nähere, desto dichter wird der Gegenverkehr, bestehend aus innen angelaufenen Gefährten mit flüchtenden Badegästen. Am See angekommen, eröffnet sich ein Bild, das mir zugegebenermaßen kurz den Atem raubt: Der See liegt in vollkommener Ruhe inmitten eines leise im letzten Lufthauch des vorübergezogenen Gewitters säuselnden Waldkranzes und es scheint, als hätte er sich in seinem weißen Nebeltuch zur Mittagsruhe gebettet.

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Glosse: Bijuss und andere Hormonschleudern

(23 Bewertungen, Durchschnitt 4.65 von 5)

motorbikeBiiiiiiiiiiiijjuuuuuuuu! Das war Marco W. auf seiner Kawasaki. Er fährt gern 211 – eine seiner Aussage nach optimale Reisegeschwindigkeit, nur leider mit dem Problem behaftet, dass es vor allem auf der B12 aufgrund abweichender Meinungen anderer Verkehrsteilnehmer immer wieder zu Unterbrechungen des Energieflusses komme. Dabei habe er sich ganz bewusst für 211 entschieden, da seinem Kollegen Reiner K., welcher sich stets für die 223 ausgesprochen hatte, jüngst die Vorfahrt entzogen wurde. Wäre er 211 gefahren, hätten dem Autofahrer mindestens zwei Hundertstel Sekunden mehr an Reaktionszeit zur Verfügung gestanden.

Gern hätte er dies in einem klärenden Dreiergespräch mit Reiner und dem – zweifellos auch mitschuldigen – Autofahrer thematisiert, was jedoch aufgrund deren Ablebens leider nicht möglich sei. Ich erkläre ihm noch, dass Bijuu (尾獣) auch die neun Dämonen genannt werden, die in der Naruto-Welt leben, jedes Bijuu eine unterschiedliche Anzahl an Schwänzen hat, von denen das Kyuubi mit seinen neun Schwänzen die meisten besitzt und die Bijuu unvorstellbare Mengen an Chakra besitzen, weshalb sie auch als Naturkatastrophen bezeichnet werden, da sie überall, wo sie erscheinen, Tod und Verwüstung verbreiten – und verabschiede mich von einem leider nun recht stolzen Marco. Ja, ich gebe zu, etwas überspitzt zu haben (in Wahrheit sind es 208 und 220), aber wer auf Bayerischen Straßen unterwegs ist, weiß eventuell, wovon hier die Rede ist.

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Stadtleben: Herbert grantelt


goetz_herbertIch bewerbe mich im Krankenhaus – als was, weiß ich nicht. Heute ist Vorstellungsgespräch. „I bin Bewerber, wie find i denn Zimmer 023?“, frage ich nach unerwiderter Begrüßung die Empfangsschrapnell. „Da nehman’s z’erschd de Pendelrutsch’n für Bewerber, dann siebte Tür links!“, herrscht sie mich an. Ich besteige die hin- und her schwingende Bewerber-Rutsche und erreiche besagten Korridor. Mir ist schlecht und ich muss bieseln. Ich suche nach einer Toilette und finde sie hinter Tür neun. Doch was ist das? Halbe Urinale - wie soll ich dort ohne Sauerei hineinurinieren? Ich muss doch so dringend.

Der Wecker erlöst mich. Ungeachtet des fröhlichen Morgengrußes meiner Mutter gieße ich mir Kaffee ein. Kaffee? Nein. Elektrisch erwärmtes Leitungswasser mit dezentem Braunstich. Ich erinnere mich an die Nachkriegszeit, die ich nie erlebt habe und besteige nach lautstarken Lamenti über diese gebrühte Unverschämtheit grußlos mein Auto.
Auf der Straße erwartungsgemäß lauter Trottel vor mir – dann auch noch hinter mir. „Probier’s no“, gebe ich während des versuchten Überholvorgangs meines Hintermannes Gas, „dir häif i, Nosnbär!“ Er scheitert, doch ich überhitze. Das geht so nicht. Ich biege in einen Waldweg ab, steige aus, rieche Erde und Nadelholz – und komme zu mir. Wie sang doch einst Reinhard Mey: „Es ist wohl ein unseel’ges Gesetz, das uns lenkt und das will, dass man, wen man am meisten liebt, so unbedacht demütigt und grundlos kränkt, dafür umso weniger nachsieht und vergibt.“ Nun aber hurtig – nein, noch nicht zur Arbeit – zur Gärtnerei.

Skigebiete-Test: St. Moritz

(4 Bewertungen, Durchschnitt 4.50 von 5)

diavolezzaDie Schweiz ruft!  In diesem Monat testen wir die größte Schneesportregion der Schweiz: Engadin St. Moritz. Durch den Zusammenschluss von vier großen und sieben kleinen Skigebieten findet jeder seinen passenden Berg für unvergessliche Abfahrten: Carver-Paradiese, Freeride-Hänge, Anfängerpisten und Gletscherabfahrten gilt es zu entdecken. Die Pasta!-Redaktion hat die Pisten zusammen mit skigebiete-test.de persönlich und vor Ort unter die Lupe genommen und gibt Euch einen Überblick über die Teilgebiete der Skiregion und zeigt Euch, wo ihr Eure Traumpiste finden könnt. Wer die sportliche Herausforderung sucht, hat im Gebiet Corvatsch Furtschellas seine Skiberge gefunden. Wahrlich atemberaubend ist es, wenn man auf 3.303 m die Gondel an der höchstgelegenen Bergstation der Ostalpen verlässt, und sich einem der Blick auf ein grandioses Panorama ausbreitet. Von hier führt die 4 km lange Königsabfahrt über den Hahnensee direkt nach St. Moritz.

Außerdem sorgen insgesamt 76 Pistenkilometer der roten Kategorie für  Abwechslung und sportliche Herausforderung. Und auch nach Sonnenuntergang geht das Pistenerlebnis noch weiter: die längste beleuchtete Piste der Schweiz wartet auf alle Nachtschwärmer. Das Skigebiet Corviglia wiederum ist das Wunderland für Anfänger und Snowboarder. Bei den allerersten Stehversuchen geben insgesamt drei ortsansässige Skischulen die nötige Unterstützung. Wer sich alleine auf die Pisten wagt, sollte sich zuerst auf die blau markierten Pisten konzentrieren. Da es eigentlich nur Verbindungsstrecken zwischen den einzelnen ansonsten rot markierten Abfahrten sind, kann so auch mit wenig Übung das gesamte Skigebiet von Anfängern abgefahren werden. Auch das Wechseln auf schwerere Pisten ist dadurch jederzeit möglich. Besonders Frühaufsteher werden sich freuen, wenn sie bereits ab 7.45 Uhr die ersten Schwünge in den frisch präparierten und noch unberührten Schnee ziehen können.


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