Auf eine Pasta mit ...
Im Interview: Stadtgalerie Chefin Tanja Popp
Frau Popp, herzlich willkommen zu unserem Interview im Eataly. Natürlich liegt es nahe, dass wir uns in einem Lokal in der Stadtgalerie treffen. Gibt es außer den praktischen Erwägungen noch andere Gründe, warum wir uns hier treffen?
POPP Also ich sitze sehr gerne hier, der Laden gefällt mir sehr gut und ich mag das Essen auch sehr gerne. Für mich gibt es in Passau nicht so viele Alternativen, die mir ähnlich gut gefallen.
PASTA! Schaffen sie es denn auch mal privat hierher, oder nur zu Geschäftsessen?
POPP Zweimal habe ich es bisher privat ins Eataly geschafft, sonst bin ich natürlich immer mal wieder bei Center-Veranstaltungen hier.
PASTA! Durch ihren Job sind sie Wahl-Passauerin. Wo kommen sie ursprünglich her?
POPP Aus Berlin, genauer gesagt aus dem Stadtteil Buckow im Verwaltungsbezirk Neukölln. Buckow kennt fast niemand, das ist eher so die „Bronx“ von Berlin. Ich bin eine echte Neuköllner Pflanze … meine Mutter lebt immer noch dort. Dort bin ich aufgewachsen, mit Kleingartenkolonie und Lauben-Pieper. Ich war auch dort auf dem Gymnasium und bin dann später auf die TU gegangen, um BWL zu studieren. Das war mir aber zu anonym und zu groß. Ich bin dann auf die Freie Universität Berlin in Dahlem gewechselt. Da hatte ich zwar einen sehr langen Anfahrtsweg, aber das war es mir wert.
Im Interview: Passaus Tourismuschefin Pia Olligschläger
Frau Olligschläger, herzlich willkommen in der Osteria del Padrone. Warum haben sie sich dieses Lokal für unser Interview „Auf eine Pasta mit…“ ausgesucht?
PIA O. Ich mag die Osteria sehr und komme öfters hierher. Außerdem liegt das Lokal sehr praktisch.
PASTA! Wir fangen ja immer mit einer kleinen Rückschau an, die zugegeben manchmal etwas zu lang ausfällt. Heute wollen wir etwas mehr in die Zukunft schauen, möchten ihre Einschätzung als Tourismusexpertin für die Zukunft des Tourismus in Passau hören. Trotzdem zunächst die Frage: Wo stammen sie ursprünglich her? Was haben sie gemacht, bevor sie nach Passau gekommen sind?
PIA O. Geboren bin ich in Liverpool, England. Mein Vater war für das Auswärtige Amt tätig, dadurch war ich viel im Ausland und bin viel rumgekommen. Ich war in England, Spanien, Schweden, Äthiopien …
PASTA! Und wie sind sie nach Deutschland zurückgekommen?
PIA O. Mit 18 bin ich nach Deutschland zurückgekommen, habe hier Abitur gemacht und dann an der Universität Trier Geografie und im Nebenfach BWL mit Schwerpunkt Marketing studiert. Ich wollte damals entweder in den Bereichen Entwicklungshilfe oder Tourismus arbeiten.
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Im Interview: Mario Künzel - Der Tausendsassa
Multigastronom Mario Künzel, Jahrgang 1968, ist seit 21 Jahren selbständig gastronomisch tätig und führt aktuell die Lokale Eataly, Café Roses, SensAsian und Frizz. Er ist verheiratet und hat zwei Kinder.
Hallo Mario, herzlich willkommen im Zi Teresa in Passau. Du hast ja selbst ein italienisches Lokal mit reichlich Pasta im Angebot – warum essen wir nicht dort?
MARIO Also zum einen ist es auch für mich mal gut, wenn ich aus meinen Lokalen rauskomme und nicht im eigenen Laden esse. Und zum anderen hat man dort einfach keine Ruhe für ein Gespräch. Da werde ich dann ständig angesprochen, ob ich nicht mal eben etwas helfen oder einspringen kann, und wahrscheinlich wäre ich dann mit den Augen die ganze Zeit fixiert auf das Geschäft und das Geschehen rundum.
PASTA! Was verbindet dich denn mit dem Zi Teresa?
MARIO Das sind vor allem Kindheitserinnerungen – ich war schon als kleiner Bub mit meinen Eltern hier zum Pizzaessen. Damals war das noch etwas Besonderes, das absolute Highlight der Woche. Es gab damals nur zwei Italiener in Passau, das Zi Teresa und ein Lokal in Heining, den Vorgänger vom Piccolo Mondo. Die hatten die beste Pizza Calzone, die mochte ich sehr.
PASTA! Auf der Küchentür hinter dir steht „Seit 1973“ – da kommt doch gleich die Frage nach deinem Jahrgang auf …
MARIO Ich bin 68er Jahrgang, geboren in Passau. Gewohnt haben wir damals aber in Hauzenberg am Rande des Bayerischen Waldes. Meine Großeltern bzw. Eltern hatten ein Fahrrad- und Motorradgeschäft mit Verkauf und Reparaturservice, das ich später hätte übernehmen sollen. Aber das war mir ehrlich gesagt zu schmutzig. Immer hat man das Öl und die Schmiere an den Händen und unter den Fingernägeln …
Im Interview: Boris Burkert - im Kern Grün!
Hallo Boris, schön dass Du heute Zeit hast, dich mit uns auf eine PASTA! zu treffen. Du hast Dir das Anton als Treffpunkt ausgesucht – beim Thema Nudeln essen denkt man ja nicht unbedingt an dieses Lokal, sondern eher an einen Italiener. Wie bist du darauf gekommen?
boris Naja, ich wusste, dass es im Anton auch Nudelgerichte gibt, und ich mag das Lokal sehr gerne. Leider bin ich nur viel zu selten da. Der Innenhof hier ist doch wirklich schön!
pasta! Um ehrlich zu sein haben wir gar nicht gewusst, dass es hier Nudeln zu essen gibt – obwohl wir glauben, gastronomisch wirklich gut informiert zu sein. Ein echter Geheimtipp!
boris Worum geht es denn heute, was wollt ihr wissen?
pasta! Zum Beispiel wo du ursprünglich herkommst – das ist vielleicht ein guter Einstieg. Man hört ja bei dir wie bei so vielen unserer Interviewpartner, dass du nicht aus Bayern kommst!
boris Das stimmt! Geboren bin ich in Freiburg im Breisgau, von wo ich aber nach einem halben Jahr mit meinen Eltern nach Essen gezogen bin. In meinem achten Lebensjahr haben mich meine Eltern dann nach Ostfriesland verschleppt, in ein kleines Dorf bei Emden. Dort habe ich dann auch Abi gemacht.
Im Interview: Katrin Pernpointner
Katrin, herzlich willkommen auf eine Pasta im "Ombralonga". Wir wollen heute mit dir über das Thema Heimat sprechen – der Anlass ist das Gerücht, dass du einen Heimatladen in Passau planst. Und wie man ja unschwer hören kann, stammst du nicht von hier. Insofern ist Heimat ein interessantes Thema …
KATRIN Ja, ich bin eine Zugereiste … ich komme aus Hamburg, genauer gesagt aus Hamburg-Eppendorf. Mit allem was dazugehört, z.B. mit Onkel Pö (ein legendäres Jazzlokal; Anm. d. Red.), Udo Lindenberg … mit dem habe ich auch schon gefeiert und vieles durchgemacht. Und der Isemarkt. Da habe ich Blumen und Salzlakritz gekauft.
PASTA! Und deine Familie? Bei Hamburg denkt man ja unweigerlich an Kaufleute, Seefahrer, Reeder…
KATRIN Reeder! Ganz konservativ … hamburgisch-steiff! Meine Vorfahren waren alle in der Seefahrt und Reederei beschäftigt. Mein Opa war Kapitän zur See in Indien. Aber meine Familie war nie reich, es waren ganz normale, hart arbeitende Leute.
Im Interview: Hubert Denk, Herausgeber des Bürgerblick
PASTA! Hubert, herzlich willkommen auf eine Pasta im Pasta e Vino. Es sind gerade Fischwochen – magst du Nudeln mit Fisch?
HUBERT Ja, unbedingt … dazu ein Glas Weißwein.
PASTA! Du wohnst ja auch nicht weit von hier, quasi in der Nachbarschaft. Wo kommst du denn ursprünglich her?
HUBERT Ich bin gebürtiger Passauer, habe hier die Nikolaschule besucht und war dann noch ein Jahr in der Klosterschule in Fürstenstein bei den Englischen Fräulein. Das war so eine Art Trainingsjahr für’s spätere Leben, mit Anstandsschule und allem drum und dran. Es war nicht mehr die Prügelzeit wie damals zu Zeiten von Walter Landshuter, sondern schon etwas liberaler. Aber es war schon ein ziemlicher Drill. Einmal habe ich allerdings auch Schläge bekommen … ich habe bei der Hostienvergabe gelacht, weil eine Frau so einen Fuchsschwanz um den Hals hatte. Da bekam ich dann Tatzen (Anm. d. Red.: Stockschläge auf die offenen Handflächen).
PASTA! Klosterschule klingt nach katholisch-konservativer Erziehung … bist du denn ein gläubiger Katholik?
HUBERT Also an meinen Kirchenbesuchen gemessen eher nicht mehr. Aber tief in meiner Seele und an meiner Erziehung gemessen glaube ich schon. Ich nehme an, dass ich schon eher konservative Werte habe, die man manchmal vielleicht auch ein bisschen in meinen Artikeln durchklingen hört. Ich bin jedenfalls auch nach wie vor nicht aus der Kirche ausgetreten.
PASTA! Was hast du denn nach dem Jahr Klosterschule gemacht?
HUBERT Danach bin ich auf das Adalbert-Stifter-Gymnasium gegangen und habe dort Abitur gemacht. Und nach dem Abi hatte ich das Gefühl, ich müsste eine große Reise machen - vielleicht nach Amerika. Dazu musste ich natürlich erst mal Geld verdienen und sparen. Ich habe damals zufällig einen Kellnerjob am Chiemsee gefunden – und dann hatte ich plötzlich das Angebot für ein einwöchiges Schnupperpraktikum bei der PNP. Und dieses Schnupperpraktikum war unglaublich prägend: Ich kam dort an einem Montagmorgen an und im Empfang stand ein Büffet mit Häppchen und Sekt … ich dachte mir, dass es toll sein müsste, hier zu arbeiten. Das war natürlich Zufall, und mir war nicht gleich klar, dass dort jemand Geburtstag hatte.
PASTA! Und was hast du dann während deines Praktikums dort gemacht?
HUBERT Naja, ich habe dann ein Interview geführt und ein paar Artikel geschrieben, und das fand meine vorgesetzte Redakteurin wohl ganz gut. Als ich wieder zurück am Chiemsee war, bekam ich eines Tages einen Anruf vom Ausbildungsleiter der PNP, der mich fragte, ob ich nicht im September ein Volontariat anfangen wolle. Und dann kam es tatsächlich so – einige Monate später stand ich als Volontär in der PNP-Redaktion.
PASTA! Du bist also ein Kind der PNP?
HUBERT Na klar, die PNP hat mich ausgebildet, ich habe meine zwei Jahre Volontariat gemacht, dann wurde ich Jungredakteur – und schließlich nach Altötting versetzt, weil ich zu widerborstig war. Ich hatte mir damals eingebildet, die Ausbildungsrichtlinien der PNP revolutionieren zu können und war der Meinung, man müsste mal alle Volontäre von Viechtach bis Pfarrkirchen zusammenholen, um sich darüber zu unterhalten, wie man die Zusammenarbeit besser strukturieren und etwas überbetrieblicher gestalten könnte. Außerdem habe ich im mich im Rahmen der damaligen Scharfrichter-Affäre und des Boykotts der Kleinkunstbühne unbeliebt gemacht, weil ich als Einziger aus der PNP-Redaktion auf der Liste gegen den Boykott unterschrieben habe. Mir wurde daraufhin gleich von der Chefredaktion das Etikett eines kleinen Revoluzzers angeheftet.
PASTA! Das ging also schon gleich am Anfang los?
HUBERT Ja, das war ganz am Anfang, schon in den ersten Monaten. Als ich von der Versetzung erfuhr, habe ich gleich beim Chefredakteur angerufen und gesagt, dass ich sofort kündigen würde, wenn ich nicht zurück nach Passau darf. Und das habe ich dann auch gemacht. Die Chefredaktion wollte mir noch nicht mal ein Zeugnis schreiben – ich habe dann so lange vor der Tür des Chefredakteurs gewartet, bis ich mein Zeugnis bekommen habe … und auch gleich mein erstes Hausverbot.
PASTA! Und wie ging es dann weiter?
HUBERT Ich bin dann zur Kronen-Zeitung nach Linz gegangen. Das war mein Einstieg in die Boulevardpresse. Von dort habe ich mich nach zwei Jahren aber wieder Richtung Bayern orientiert und kam dann erst nach Regensburg und dann direkt nach München zur BILD-Zeitung.
PASTA! Hast du bei der Kronen-Zeitung selbst gekündigt oder hattest du dort auch Hausverbot?
HUBERT Nein, ich habe damals am Anfang meiner Laufbahn nie länger als zwei Jahre am selben Ort gearbeitet … und ich habe immer selbst hingeschmissen, entweder weil mir langweilig wurde oder weil ich das Diktat der Chefredaktion nicht mehr duldete. Selbst bei der BILD war es so, dass ich, wenn eine Geschichte mit einer Schlagzeile versehen worden ist, die ich nicht mehr mittragen konnte, als letzte Notbremse gesagt habe: dann kommt mein Name raus. Eigentlich macht man so etwas nicht, man will sich ja nicht bewusst unbeliebt machen. Aber bei der BILD wurde das teilweise respektiert.
PASTA! Und was sorgte dann für deinen Ausstieg bei der BILD?
HUBERT Ich bin bei der BILD mehrmals gegangen und wiedergekommen. Und jedes Mal bin ich auf dem Treppchen nach oben gestiegen. Vom Polizeireporter bin ich bis in die Nachwuchsriege für die Chefredaktion aufgestiegen. Aber dann kam eines Tages ein Anruf aus Passau von der Verlagsleitung, dass sie ganz schnell jemanden bräuchten, der ihnen eine Boulevardzeitung aus dem Boden stampft, denn es bestünde die Chance, dass ein österreichischer Mitbewerber auf den Markt einbricht. Für die Familie Diekmann hätte es nichts Schlimmeres geben können, als nicht mehr alle Zügel am Medienmarkt in der Hand zu halten … und deshalb der Anruf. Ich war so gesehen die perfekte Figur, da ich mich einerseits im Boulevardjournalismus auskannte und andererseits auch gebürtiger Passauer war. Meine Jugendsünden wurden mir offenbar alle verziehen, die alten Chefredakteure gab es natürlich auch alle nicht mehr. Hätte ich damals gewusst, dass es nach einem Dreivierteljahr in Passau zu diesem Eklat zwischen dem kleinen Hirschen Denk und dem großen Hirschen Backhaus kommt, dann wäre ich von der BILD-Zeitung nicht weggegangen. Mein Vertrag war damals nahezu unkündbar, ich habe bestens verdient.
PASTA! Du bist aber nach Passau gekommen und hast hier die „Am Sonntag“ gegründet?
HUBERT Mein Auftrag der PNP-Verlagsleitung war damals, ein Boulevardblatt aufzubauen, von dem die Passauer gar nicht unbedingt merken sollten, dass es etwas mit der PNP zu tun hat. Das ist mir perfekt gelungen: ich habe Vollgas gegeben und das Blatt mit Themen und Exklusivgeschichten gefüllt, unter anderem mit der Schlagzeile, dass auch die Tochter eines ehemaligen Chefredakteurs bei der ANTIFA war. Diese ganze ANTIFA-Geschichte über die Kinder aus gutem Hause, die Überwachung in Studentenwohnheimen und auch der Eltern zuhause war dann zu viel des Guten. Es kamen die Kündigung und das zweite Hausverbot bei der PNP. Von offizieller Seite wurde natürlich ein anderer Grund gesucht. Es hieß dann, ich hätte Interviews, die ich in der AS mit Geschäftsleuten geführt habe, verkaufen sollen. Das wäre für mich niemals in Frage gekommen – ich verkaufe doch nicht meine Geschichten auf PR-Basis. Es war einfach von Anfang an ein Fehler, zu einem Gratisblatt zu gehen. Das war meiner Philosophie immer völlig zuwider, weil ich stets gedacht habe, dass ein Blatt, das nichts kostet, auch nichts wert ist.
PASTA! Das klingt ja alles sehr turbulent … war die Selbständigkeit eine logische Konsequenz?
HUBERT Selbständigkeit war eigentlich nie mein Bestreben. Die Gründung meiner Zeitung BÜRGERBLICK hat mich hier irgendwie festgenagelt – völlig gegen meine Überzeugung, dass ein Journalist nie zu lange an einem Ort sein sollte, weil er sich sonst zu sehr verfilzt. Heute bin ich zwar mit vielen Leuten und Politikern per Du, aber ich lasse mich nach wie vor ungern auf ein Bier einladen sondern zahle lieber selbst. In Passau sagen viele Leute über mich, dass man nie weiß, wie man bei mir dran ist. Man wird unwägbar und hat dann auch nur sehr wenige Freunde.
PASTA! Hast du denn Freunde?
HUBERT Das ist wirklich schwierig. Also zwei, drei Freunde habe ich aus meinen jüngeren Jahren, aus meiner Schul- oder Volontärszeit. Das sind Leute, die mich gut kennen und die ich noch nie in die Pfanne gehauen habe … oder die meine Arbeit respektieren. Die unterstützen mich auch mal finanziell, z.B. bei den vielen Klagen, die ich am Hals habe.
PASTA! Würdest du denn einen Freund genauso schonungslos bei der Aufklärung einer Sache behandeln wie jeden anderen?
HUBERT Also, ich glaube, wenn ich einen Freund hätte, der Einfluss hat und in einer krummen Sache mit drin hängt, müsste der befürchten, sogar härter rangenommen zu werden als andere. Dem würde ich das besonders übel nehmen …
PASTA! Du bist anscheinend ein Mensch mit harten Prinzipien. Wirst du denn nicht auch mal weich?
HUBERT Ich finde es nicht akzeptabel, dass man Moral und Anständigkeit predigt und sich selbst daran nicht hält. Das gilt besonders für die Einflussreichen in unserer Gesellschaft. Nach unten treten ist leicht, nach oben treten schwierig.
PASTA! Was ist denn die Mission des BÜRGERBLICK? Liegt deiner Zeitung die Frustration des Zerwürfnisses mit der PNP zugrunde?
HUBERT Nein, ich betrachte es aber als die Aufgabe des BÜRGERBLICK, für Vielfalt in der regionalen Medienlandschaft zu sorgen und Themen auch mal kontrovers zu beleuchten. Natürlich ist die PNP mit ihren vielen Töchtern ein Monopolist – man muss aber auch den Leuten, die vom Monopolisten nicht berücksichtigt werden, ein Sprachrohr geben. Wenn ich den BÜRGERBLICK in Regensburg herausgeben würde, müsste er dort ein journalistisches Pendant zur Mittelbayerischen Zeitung sein.
PASTA! Hast du die PNP abonniert?
HUBERT Ich beziehe das e-Paper, aber nicht die Printausgabe.
Im Interview: Klaus Kubitschek vom Colors
Klaus Kubitschek (50), gebürtiger Fürstensteiner, betreibt seit 20 Jahren die Musikkneipe Colors in der Passauer Innstadt. anlässlich des bevorstehenden Jubiläums haben wir uns mit ihm im Ristorante Gallo Nero getroffen und bei einer Portion Nudeln über die Anfänge vor 20 Jahren, seine Erfahrungen in der Gastronomie und seine Zukunft gesprochen.
PASTA! Klaus, herzlich willkommen im Gallo Nero! Das Colors befindet sich ja in direkter Nachbarschaft – bist du öfters hier auf eine Pasta oder Pizza?
KLAUS Ja, ich bin von Anfang an hier hergekommen. Damals hieß es noch „Dal Baffo“, der Chef hieß Franco, das war der Vorgänger vom Ugo. Mit Franco war ich damals gut befreundet. Ich war regelmäßig zum Essen bei ihm und er kam oft nach Ladenschluss zu mir ins Colors. Den Ugo kenne ich noch aus seiner Zeit in der Ilzstadt, als er noch im Mafioso gekocht hat. Da habe ich ihn öfters besucht und dort gegessen.
PASTA! Nicht nur das Colors befindet sich hier gegenüber, sondern auch deine Wohnung. Wir kennen die Innstadt gar nicht ohne dich. Wie lange bist du schon hier? KLAUS In der Innstadt wohne ich seit 16 Jahren. Das Colors gibt es schon seit 20 Jahren, aber die ersten drei, vier Jahre habe ich drüben in Hacklberg in der Vilshofener Straße gewohnt. Dann bin ich in die Schmiedgasse gezogen.
PASTA! Ursprünglich stammst du ja nicht aus Passau, sondern aus dem Bayerischen Wald.
KLAUS Ja, aus Fürstenstein, wo ich aufgewachsen bin.
PASTA! Aber zur Schule gegangen bist du in Passau?
KLAUS Ja, auf die Fachoberschule. Dann habe ich in Regensburg Architektur studiert, dann aber aus privaten Gründen abgebrochen … wie das so ist, da kommen Beziehungen dazwischen … egal. Ich habe dann an verschiedenen Stellen gejobbt und später eine Fotografenlehre gemacht.
PASTA! Hört sich so an, als hättest du eine künstlerische Ader - Architektur, Fotografie …?
KLAUS Das habe ich zumindest gedacht. Ich hatte nach meiner Ausbildung ein Angebot aus Berlin, beim SFB als Kameraassistent anzufangen. Doch dann kamen meine Brüder dazwischen. Die wollten ein Granitwerk in Portugal eröffnen. Damals war der Granitabbau im Bayerischen Wald schon zu teuer und Portugal war wegen seiner Anbindung an die Schiffahrtswege und der niedrigen Löhne interessant. Ich bin dann ein Jahr lang nach Regen ins Werk meiner Brüder gefahren, um dort ein Praktikum bei der Werksleitung zu machen und die Abläufe kennenzulernen. Ein Jahr lang bin ich jeden Tag nach Regen reingefahren.
PASTA! Und bist du dann auch nach Portugal gegangen?
KLAUS Nein. Das dramatische war, dass 1989, als ich mit der Ausbildung fertig war, die Wende kam. Die Verträge waren alle schon fertig und lagen beim Notar. Doch dann haben sich meine Brüder entschlossen, in den Osten zu investieren. Für mich hätte es dann die Option gegeben, dort ein Werk zu leiten, aber das war überhaupt nicht mein Ding. Da hätte mir Portugal schon besser gefallen. Die Sache mit den Granitwerken war für mich dann gestorben.
PASTA! Und dann kam dir die Idee mit der Kneipe?
KLAUS Naja, ich habe damals in verschiedenen Kneipen gearbeitet, zuletzt beim Walter Binder im Aquarium. Irgendwann ist mir aufgefallen, dass in der Innstadt das Wirtshaus „Zum weißen Lamm“ leer steht. Wir haben dann sechs Monate umgebaut. Im Colors ist ja praktisch nichts von der Stange: die komplette Theke haben wir selbst gebaut, die Barhocker haben wir beim Schwarzmüller in der Haitzinger Straße schweißen lassen. Alles ist aus Edelstahl und Granit - das war zwar wahnsinnig teuer damals, hält dafür aber eine Ewigkeit.
PASTA! Eine der Granitplatten ist ja doch mal gebrochen... KLAUS Ja, weil sie darauf getanzt haben …
PASTA! ... da waren wir dabei!
KLAUS Die ist dann ausgetauscht worden, nachdem sie an Silvester noch ein zweites Mal gebrochen ist. Aber ansonsten sind die Theke, die Barhocker und die Tische immer noch die gleichen wie vor 20 Jahren.
PASTA! Während andere Wirte ja auch mal etwas verändern wollen, neues Mobiliar anschaffen oder eine „Lounge“ eröffnen, bist du dem ursprünglichen Konzept des Colors sehr treu geblieben. Woran liegt das?
KLAUS Ich denke, das Colors ist noch nie irgendwelchen Trends gefolgt. Es war immer mein ganz eigenes Ding - und der Laden ist irgendwie auch zeitlos.
PASTA! Das Publikum im Colors ist ja bunt gemischt, bis Ende Dreißig, Anfang Vierzig sind ja alle Altersklassen vertreten. In anderen Kneipen ist das Publikum meistens so alt wie der Wirt. Wie schaffst du es denn, immer wieder auch ganz junge Leute in den Laden zu ziehen?
KLAUS Ich glaube das hängt vor allem auch mit der Musik zusammen. Viele der DJs, die im Colors auflegen, sind recht jung. Die kommen einfach, bringen ihre Freunde mit und legen ihre Musik auf. Ich bezahle die DJs nicht, weil ich auch keinen Eintritt verlange. Die machen das, weil es ihnen Spaß macht.
PASTA! Ist das auch deine Musik, oder hörst du privat etwas anderes? KLAUS Ich muss ehrlich zugeben, dass ich oft gar nicht mehr so genau hinhöre. Ich mache das schon so lange … und manche Sachen sind mir auch zu hart, z.B. wenn es so ins Punkige geht.
PASTA! Aber auch sonst ist das Spektrum im Colors ja im wahrsten Sinne des Wortes sehr bunt: es kommen Studenten und Einheimische, Konservative, Linke und Liberale … und alle fühlen sich wohl und gehen friedfertig miteinander um …
KLAUS Ja, das ist toll. Und es gibt nie Reibereien oder irgendwelchen Ärger. Wir haben sogar einige Stadträte, die regelmäßig kommen - auch unser Oberbürgermeister, mit dem ich befreundet bin und auf dessen 50. Geburtstag ich gerade eingeladen war, ist lange Jahre im Colors Stammgast gewesen…
PASTA! ...und hat sogar in der Colors-Fußballmannschaft mitgespielt.
KLAUS Ja, der Jürgen war dem Colors immer sehr verbunden. Das Schöne ist wirklich, dass sich alle wohlfühlen. Wir haben halt ein ganz eigenes Publikum im Colors. Stephan Kürthy, der ehemalige „Am Sonntag“-Redakteur, hat mal zu mir gesagt, dass ihm die Frauen im Colors „zu intellektuell“ seien …
PASTA! Wie wird es denn mit dem Colors weitergehen? Du bist jetzt 50 – wie sehen deine Zukunftspläne aus?
KLAUS Ich habe ja schon einen würdigen Nachfolger. Der Kelly wird das Lokal übernehmen, er ist ja schon seit 13 Jahren bei mir und kennt sich aus … und er will das Geschäft im gleichen Sinne weiterführen. Ich werde bestimmt nicht als Methusalem noch im Colors stehen. Ich bin ja jetzt schon mehr im Hintergrund, springe noch ab und zu mal ein, wenn Not am Mann ist – aber über kurz oder lang werde ich das Geschäft übergeben. Das 20-jährige Jubiläum ist ein gutes Datum für einen Generationenwechsel. Ich habe ja auch kaum Urlaub gemacht. Vielleicht mal eine Woche Teneriffa, aber auch eher selten in den letzten 20 Jahren. Und ich habe Vieles erfüllt: ich habe eine Kneipe eröffnet, einen Sohn gezeugt, ein Haus gebaut, einen Baum gepflanzt …
PASTA! Was bleibt dann noch für dich zu tun?
KLAUS Also, wenn alles gut läuft und ich gesund bleibe und sonst nichts dazwischen kommt, dann plane ich für mich eine Auszeit ab kommendem Winter. Ich möchte einfach ein bisschen vom Nachtleben weg, mich von der Kneipe etwas distanzieren, zu mir selbst kommen. Ich will auf eine kleine Weltreise gehen, viele Bücher lesen und vielleicht selbst eines schreiben. Aber es ist noch nichts spruchreif.
PASTA! Du gehst unter die Autoren?
KLAUS Naja, ich habe einfach viel raus zu lassen. Ob es ein Roman wird, ein Drehbuch oder einfach nur ein persönliches Tagebuch, das weiß ich noch nicht. Ich habe ja alle Zeit der Welt, wir werden sehen. Die Muße habe ich sicher erst, wenn ich etwas Distanz zu allem habe.
PASTA! Und wohin wirst du reisen?
KLAUS Mal sehen, ich kenne mittlerweile so viele Leute, die überall in der Welt verstreut sind. Ehemalige Stammgäste, die jetzt in Brasilien oder Spanien oder Südafrika leben. Auf jeden Fall will ich dahin wo’s warm ist. Das einzige, was mich an Passau wirklich stört, sind die langen Winter und die kurzen Sommer. Aber ich habe so einen engen Bezug zu Passau … es wird bestimmt kein Abschied für immer.





