Passauer Geschichte
Chorgebet & Peitschenknallen: St. Nikola
In unmittelbarer Nachbarschaft zur Neuen Mitte befindet sich der älteste erhaltene Innenraum, den man in Passau finden kann: Die frühromanische Krypta von St. Nikola. Sie führt zurück in eine hoch bewegte Zeit, in das letzte Viertel des 11. Jhdts. Kaiser und Papst rangen heftig um den Einfluss der Laien in der Kirche und die Besetzung hoher Kirchenämter. Ein Streit, der als „Investiturstreit“ (Einsetzungsstreit) in die Geschichte eingegangen ist. In Passau residierte damals ein Westfale namens Altmann. Seinen bischöflichen Amtsantritt verdankte er 1065 der Protektion der kaiserlichen Witwe Agnes, der er zuvor als Hofkaplan gedient hatte. Bischof Altmann erwies sich rasch als glühender Vertreter einer kraftvollen innerkirchlichen Erneuerungsbewegung, die sich insbesondere die disziplinarische und spirituelle Reform der zu großen Teilen stark verweltlichten, meist auch beweibten Priesterschaft zum Ziel setzte. Vor diesem Hintergrund entstand der Plan, durch die Gründung eines Augustiner-Chorherrenstifts die seelsorgerischen Pflichten eines Weltpriesters mit der klösterlichen Lebensform von Mönchen zu verbinden. Eine geistliche Musteranstalt zur Beförderung eines neuen Priesterideals sollte entstehen und als solche weit ins Bistum ausstrahlen.
Ein Fotograf, ein Komponist und bessere Kreise
Der Sommer ist da – und damit auch Heerscharen von Touristen, die Passau ähnlich überschwemmen wie die immer wiederkehrenden Hochwasser. Betuchte Erholungssuchende kamen bereits zu Zeiten der Jahrhundertwende. Ihr Ziel war freilich weniger die Altstadt, sondern Hals. Der beschauliche Stadtteil an der Ilz war bis 1972 eigenständige Gemeinde und zeitweilig ein weit bekannter Badeort!
Begründer des Badebetriebs war ein gewisser August Ducrue, der als Inhaber eines Passauer Fotogeschäfts den stolzen Titel „Königlicher Hofphotograph“ erlangt hatte. Inspiriert durch die damals gerade populär gewordene Kneipp-Medizin verkaufte Ducrue 1889 sein Geschäft, um in Hals stattdessen eine Kur- und Wasserheilanstalt zu bauen. Das moorhaltige Ilzwasser und das idyllische Ortsbild an den Ilzschleifen boten hierfür durchaus günstige Voraussetzungen. Allerdings bedurfte es auch einer fachlich kompetenten Leitung. Und so verkaufte Ducrue sein am Hang des Halser Sieglbergs errichtetes „Bavaria Bad“ schon 1892 wieder an den Wiener Mediziner Dr. Georg Mayerhausen, einen Spezialarzt für physikalisch-diätische Heilverfahren. Mayerhausen sorgte, nicht zuletzt dank ausgezeichneter Beziehungen, für eine rasche und beachtliche Entwicklung. Hals wurde zu Bad Hals und insbesondere in Wiener Kreisen zum Geheimtipp für gehobenes Publikum. Entsprechend sorgte man für Atmosphäre: Aussichtspunkte wurden erschlossen und mit Parapluies besetzt, eine Uferpromenade zum Flanieren angelegt und Kurkonzerte und Theateraufführungen arrangiert. An besonderen Attraktionen ließ sich mit einem „Wellenbad“ im Mühlkanal und einem gedeckten, auf der Ilz platzierten Badefloß mit Schwimmbecken und Badewannen aufwarten. Kutschtransfers von und zum Passauer Bahnhof waren selbstverständlicher Bestandteil der vielfachen Serviceleistungen. Ab 1902 war eigens ein „Verein zur Hebung des Fremdenverkehrs und zur Verschönerung des Kurorts Hals“ aktiv.
Von Siechen, Gebrechlichen und frommen Stiftern
In jüngster Zeit ist ihre Zukunft immer wieder einmal Gegenstand besorgter Stadtrats-Diskussionen. Tatsächlich sind sie etwas ganz besonderes, auf das man als Passauer stolz sein kann, ja stolz sein muss: die beiden Altenstifte St. Johannis und Heiliggeist, die beiden ältesten, schon seit Jahrhunderten bestehenden sozialen Einrichtungen der Stadt. Ihre Benennungen bezeugen noch, dass die karitative Fürsorge für Arme, Schwache und Alte vom Mittelalter bis in die Tage des Barock nicht rein humanitär, sondern vor allem religiös, im Bemühen um das eigene Seelenheil begründet war. Ein Umstand, der in beiden Fällen auch in den noch erhaltenen Spitalskirchen zum Ausdruck kommt.
St. Johannis-Stift
Der erste urkundliche Nachweis für das St. Johannis-Stift stammt aus dem Jahr 1200. Ihm lässt sich entnehmen, dass es sich um eine Spitalgründung des Passauer Domkapitels „zu Underhalt der ankommenden Pettler“ gehandelt hat. Zunächst war es vor allem wohl der Versorgung durchreisender Pilger und Kreuzfahrer zugedacht. Das Ende der Kreuzzugsbewegung und die muslimische Rückeroberung des Heiligen Landes bedingten freilich bald schon eine Umwidmung: Noch im Verlauf des 13. Jh. verwandelte sich St. Johannis in ein Altenstift. Aufgenommen wurden arme, alte und hilfsbedürftige Bürger beiderlei Geschlechts. 1278 wurde die Stiftsverwaltung in die Hand der Stadt gelegt. Im Gegenzug mussten die Stiftseinnahmen fortan auch zum Unterhalt der damals neu erbauten Donaubrücke herhalten. Reichlich eingehende Spenden und Schenkungen schufen in der Tat ein stattliches Vermögen: In den besten Tagen konnte das Stift auf Einnahmen aus rund 200 Hektar Waldbesitz, 110 zehntpflichtigen Höfen, über 100 abgabepflichtigen Stadthäusern sowie aus Kapitalzuwendungen für Seelenmessen zurückgreifen. Hinzu kamen ab 1464 noch die Einnahmen der stiftseigenen Brauerei, die 1811 trotz großer Gewinne verkauft und später mit der Peschlbrauerei vereint wurde.
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Passaus älteste Marienwallfahrt
Bei allem, was Passau sonst noch ist – es ist auch eine Wallfahrtsstadt. Hoch über der Stadt thront die einst weit berühmte Wallfahrtskirche Maria-Hilf mit ihrem gleichnamigen Gnadenbild. Immer noch mühen sich Pilger über die 321 Stufen der Wallfahrtsstiege, immer noch präsentiert man in der Kirche die kostbare Kaiserampel, ein 1676 verehrtes Geschenk Kaiser Leopolds I. aus Anlass seines dritten Ehebunds. Und in den letzten Jahren scheint die kleine Wallfahrtsstätte dank des emsigen Pauliner-Ordens langsam, aber stetig wieder aufzublühen. Keine Frage - in Sachen Passau-Wallfahrt denkt ein jeder an Maria-Hilf! Dabei war die 1622 begründete Wallfahrtsstätte keineswegs die einzige der Stadt, ja nicht einmal die älteste. Die fand sich im Kloster Niedernburg und galt der überlebensgroßen Holzskulptur einer Schutzmantelmadonna. Die Erinnerung an sie ist längst verblasst, obwohl sich ihr gemaltes Abbild an der Klostermauer in der Bräugasse bis heute noch bewundern lässt. Was hatte es mit der Wallfahrt nach Maria-Schutz in Niedernburg für eine besondere Bewandtnis?
Passau und der Kaffee
Wiens Kaffeehauskultur ist legendär, genauso wie ihr Ursprung. Man denke an die große Türkenbelagerung des Jahres 1683 und an den Abenteurer Georg Franz Kolschitzky: Als Türke verkleidet habe er Botschaften durch die feindlichen Linien geschmuggelt. Eine lebensgefährliche Heldentat, für die man ihn entsprechend reich belohnt habe: mit einem Baugrund, einer Gewerbeberechtigung sowie einer ganz besonderen Kriegsbeute in Form zahlreicher türkischer Kaffeesäcke. Kolschitzky, heißt es, nutzte die Gelegenheit und gründete das erste Wiener Kaffeehaus, genannt „Zur blauen Flasche“. Soweit der stets gern beschworene, jedoch schon lange widerlegte Mythos. Tatsächlich öffnete das erste nachgewiesene Kaffeehaus Wiens schon 1685. Freilich war sein Gründer nicht Kolschitzky, sondern ein nicht minder geheimnisvoller Mann namens Deodato. Ein Armenischer Kaufmann, der als Spion in kaiserlichen Diensten stand. Wiens Kaffeehauskultur war geboren. Flugs setzte der „Türkentrank“ zu einem europäischen Triumphzug an.
Passau - Eine Römerstadt
Die reiche römische Vergangenheit der Stadt bezeugt alleine schon ihr Name – Passau. Es handelt sich um das Ergebnis einer langen sprachlichen Entwicklung, einer Abwandlung des römischen Kastellnamens Batavis. Im Jahr 15 v. Chr. besetzten die Römer den nördlichen Alpenvorraum. Die Donau wurde als „nasser Limes“ zur neuen Außengrenze des Imperiums. Noch im Lauf des 1. Jahrhunderts folgte links und rechts des Inns die Einrichtung der römischen Provinzen Rätien und Noricum. Am strategisch wichtigen Zusammenfluss von Inn und Donau legte man sowohl auf rätischem, wie auch auf norischem Gebiet mit offenen Siedlungen verbundene Kastelle an. Das erste norische Kastell befand sich direkt an der Innmündung. Den einstigen Standort markieren heute ein P+R-Parkplatz und die ehemalige Ägidiuskirche an der Kapuzinerstrasse. Die in größeren Partien archäologisch untersuchte, für 500 Soldaten konzipierte Anlage übernahm den Namen einer älteren keltischen Ansiedlung: Boiodurum.
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