Sissi Perlinger über die Auszeit eines Showgirls

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i_perlinger_jens_van_zoest_01Am 7. Oktober 2010 erlebt die Passauer Redoute die Vorpremiere des neuen Programms der Entertainerin Sissi Perlinger. Pasta!-Redakteurin Claudia Knobloch hat sich mit ihr über „Gönn‘ Dir ‘ne Auszeit!“, ihr Leben als Showgirl und Leo-Print-Klamotten unterhalten.

Pasta! Frau Perlinger, was können Sie über "Gönn‘ Dir ‘ne Auszeit!" verraten?

Sissi Perlinger Ich erzähle in meinem eigenen Stil eine Geschichte, fast wie im Theater: In diesem Fall geht es um einen schweren Tinnitus, den ich mir im Jahre 98 eingehandelt habe, den erfolgreichen Versuch, mich davon zu heilen und um die Suche nach dem Glück. Die große Krise – ein klassischer Moment, um sehr lustig sein zu können und inhaltlich interessante Sachen zu vermitteln. Die Show ist ein Mix aus Sequenzen, in denen ich eine Pointe nach der anderen raushaue, und meinen Songs. Ich habe einen funkigen Joggingsong geschrieben, einen jazzig-swingigen Big-Band-Song und endlich auch meinen indischen Tempeltanz eingebaut. Natürlich schlüpfe ich wieder in verschiedene Figuren. Es tauchen meine Meditationslehrerin und Prinzessin Lilienfee auf. Ich wechsel 15 Mal das Kostüm und zünde ein Feuerwerk aus Schauspiel, Humor und anspruchsvoller Unterhaltung.

Pasta! Woher nehmen Sie die Inspiration?

Sissi Perlinger Ottfried Fischer sagt immer: Du schlägst die Passauer Neue Presse auf und fertig ist der nächste Kabarett-Artikel. Ich dagegen bin jemand, der die Themen bei sich selbst sucht. Ich habe mit all meinen Programmen meine Entwicklungsschritte analysiert. Je näher ich bei mir selbst bleibe, bei meinen Ängsten, bei meinem Unsinn, den ich mache, um so mehr erreiche ich die Menschen, die sich mit diesen Gedanken identifizieren können.

Pasta! Gehört viel Mut dazu, sein eigenes Leben auf die Bühne zu bringen?

Sissi Perlinger Ich würde mich nicht als mutig bezeichnen. Aber ich merke schon, dass es mir an die Substanz geht, wenn ich ganz tiefe Dinge in der Show aufarbeite. Mein Vater hat die Familie sehr früh verlassen und meine Therapie hat gezeigt, dass dies wohl mein Ansporn war, derart viel, ja zu viel zu arbeiten. Als Kind denkt man immer, man genügt nicht. Auf der anderen Seite ist das auch ein großer Antrieb und Quelle der Kraft.

Pasta! Was ist ein praktischer Tipp für eine Auszeit?

i_perlinger_jens_van_zoest_02Sissi Perlinger Die wichtigste Auszeit ist die kleine Auszeit zwischendurch, in der man über sich reflektiert. Ohne dieses ganze Ablenkungsmanöver, das diese westliche Welt veranstaltet, um die Menschen ihre inneren Ängste oder ihre innere Einsamkeit nicht spüren zu lassen. Sich einfach mal hinsetzen und in sich hinein hören: Sind die Ziele, die ich verfolgt habe, wirklich meine Ziele? Was möchte ich verändern? Wo ist mein Glück versteckt?

Pasta! Sie haben einen sehr eigenen Stil in punkto Kleidung.

Sissi Perlinger Schon als Kind – da konnte ich noch nicht laufen – bin ich vorm Spiegel gesessen, habe mich geschminkt und verkleidet. Ich bin Archetyp Showgirl, Aszendent Zirkuspferd – schon immer gewesen. Mir ist egal, was andere Leute über mich denken. Das gestaltet einem das Leben sehr viel lustiger und freier. Dann habe ich irgendwann angefangen, mich nur noch in Leopard zu kleiden. Das hat verschiedene Gründe. Ich bin vom chinesischen Zeichen her ein Katze. Außerdem ist Leo-Muster extrem kleidsam, es schmutzt nicht – da sind ja schon Flecken drauf. Und es erleichtert das Shoppen: Man hat ja irgendwann alles in Leo und muss nichts mehr einkaufen. Dass ich Kostüme in meiner Show verwende, liegt daran, dass ich gerne optisch arbeite. Bilder bleiben beim Menschen stärker in Erinnerung als Worte.

Pasta! Hat sich die Kabarettwelt verändert in den Jahrzehnten, die Sie auf der Bühne stehen?

Sissi Perlinger Früher war die Szene wesentlich bunter, viel optischer, vielseitiger. Heute gibt es fast nur noch Kabarettisten oder Stand-Up Comedians, die auf der Bühne stehen und reden und nie das Kostüm wechseln. Das Genre ist ziemlich eng gefasst, nicht mehr so verspielt. Da ist kein Tanz, kein Gesang, keine Sinnlichkeit, es hat nichts mehr Mystisches, Grenzüberschreitendes. Und ich versuche all das sehr lebendig zu halten. Ich bin eine Bühnenschamanin. Ich nehme die Leute mit an den Abgrund, und lass sie hinunterschauen – und löse das in einem erleichterten Lachen auf und sage: "Hey, auch wenn du da reingefallen bist, du kommst lebendig wieder raus!"

Pasta! Na, dann dürfen die Passauer sich auf einen erlebnisreichen Abend freuen!

Das Interview führte unsere Redakteurin Claudia Knobloch

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